Polymechaniker/in EFZ ohne Lehre: der Weg über Artikel 32

Du arbeitest seit Jahren im Beruf, aber ohne EFZ? Artikel 32 der Berufsbildungsverordnung ermöglicht dir das Polymechaniker/in EFZ ohne Lehrvertrag. Hier sind die Bedingungen und die Prüfung, nach der Verordnung des SBFI vom 3. November 2008.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verlangte Erfahrung: Mindestens 5 Jahre Berufserfahrung (Art. 32 BBV), davon mindestens 3 Jahre im Beruf Polymechaniker/in.
  • Du legst dieselbe Abschlussprüfung ab wie die Lernenden, ohne Erfahrungsnote: Teilprüfung 25 %, Praktische Arbeit 25 %, Berufskenntnisse 30 %, Allgemeinbildung 20 %.
  • Bestanden, wenn die Note «Teilprüfung» mindestens 4 beträgt und die Note «Praktische Arbeit» mindestens 4 beträgt und die Gesamtnote mindestens 4 beträgt.
  • Anmeldung beim Berufsbildungsamt deines Kantons, das dein Dossier prüft; Fristen und Kosten sind von Kanton zu Kanton verschieden.
  • Rechtsgrundlage: Art. 32 BBV und Verordnung des SBFI vom 3. November 2008.

Die Zulassungsbedingungen

  • Mindestens 5 Jahre Berufserfahrung, erreicht bis zur Prüfung (Art. 32 BBV); Teilzeit zählt anteilsmässig.
  • Davon mindestens 3 Jahre im Beruf Polymechaniker/in, gemäss Bildungsverordnung.
  • Ein Lehrvertrag ist nicht nötig; je nach Kanton musst du bei der Zulassung im Beruf arbeiten.
  • Gute Sprachkenntnisse werden erwartet (berufsberatung.ch empfiehlt mindestens Niveau B2), samt Fachwortschatz.

Die Prüfung, die du ablegst

Du legst dieselbe Abschlussprüfung ab wie die Lernenden. Weil du keine Schulnoten und keine überbetrieblichen Kurse hast, entfällt die Erfahrungsnote, und die übrigen Noten zählen stärker.

Das QV ist bestanden, wenn die Note «Teilprüfung» mindestens 4 beträgt und die Note «Praktische Arbeit» mindestens 4 beträgt und die Gesamtnote mindestens 4 beträgt.

QualifikationsbereichForm und DauerGewichtung ohne Erfahrungsnote
TeilprüfungIn der Regel Ende des 4. Semesters, 8 bis 12 Stunden, über alle Handlungskompetenzen der Basisausbildung.25 %
Praktische ArbeitIndividuelle praktische Arbeit (IPA) von 36 bis 120 Stunden oder vorgegebene praktische Arbeit (VPA) von 12 bis 16 Stunden, je nach Kanton, über eine Handlungskompetenz der Schwerpunktausbildung.25 %
BerufskenntnisseSchriftliche Prüfung von 4 bis 5 Stunden.30 %
AllgemeinbildungGeregelt in der Verordnung des SBFI über Mindestvorschriften für die Allgemeinbildung.20 %

Anmeldung, Schritt für Schritt

  • Wende dich an die Fachstelle deines Kantons: Sie informiert dich, prüft deine Berufserfahrung und zeigt dir den passenden Weg, Abschlussprüfung oder Validierung.
  • Stelle dein Dossier zusammen: Arbeitszeugnisse mit Pensum, Lebenslauf und Kopien deiner Abschlüsse.
  • Anmeldefristen und Kosten legt jeder Kanton fest; im Tessin etwa ist das Gesuch bis 31. Mai des Vorjahres der Prüfung einzureichen.
  • Hast du bereits eine andere Ausbildung, frage nach einer Dispensation von einzelnen Fächern.

Vorbereitung ohne Berufsfachschule

Du kannst dich selbst oder mit Kursen vorbereiten. Am meisten Arbeit braucht, was die Lernenden in der Schule lernen: Berufskenntnisse, schriftliche Prüfung von 4 bis 5 Stunden.

Reform und Übergangsbestimmungen

Eine neue Verordnung (29. August 2025) ist seit 1. Januar 2026 in Kraft; ihre Bestimmungen gelten für die Teilprüfung ab 1. Januar 2028 und für das Qualifikationsverfahren ab 1. Januar 2030.

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Offizielle Quellen

Abgerufen am 2026-10-11.

Prüfungsfragen mit Lösung

Konventionelle und CNC-Bearbeitung — Was ist Kühlschmierstoff und warum ist er bei der Bearbeitung wichtig?
  • Er dient nur zur Kühlung
  • Er ist nur beim Schleifen nötig
  • ✓ Er kühlt, schmiert und transportiert Späne
  • Er verhindert Rost am Werkstück

Kühlschmierstoff (KSS) kühlt, schmiert, transportiert Späne ab und verlängert die Werkzeugstandzeit.

Technische Mathematik — Wie berechnet man die Konizität eines Werkstücks?
  • C = D + d / L
  • C = D × d / L
  • C = L / (D - d)
  • ✓ C = (D - d) / L

Konizität C = (D - d) / L, wobei D der grosse Durchmesser, d der kleine Durchmesser und L die Länge des konischen Abschnitts ist.

Messtechnik — Wie funktioniert eine pneumatische Längenmessung (Luftmessdorn)?
  • ✓ Durch Rückstaumessung der Druckluft proportional zum Spalt
  • Durch Ultraschall
  • Durch Wirbelstrommessung
  • Durch Laservermessung

Beim Luftmessdorn strömt Druckluft durch Düsen am Dorn. Der Rückstau ist proportional zum Spalt zwischen Dorn und Bohrung und wird als Mass angezeigt.

Montage und Präzisionsmontage — Wie wird ein Rillenkugellager richtig montiert?
  • Durch Hämmern auf den Aussenring
  • Durch Erhitzen der Wälzkörper
  • Durch Einpressen über den Käfig
  • ✓ Gleichmässiger Druck auf den Ring mit der festen Passung

Die Montage erfolgt durch gleichmässigen Druck auf den Ring, der die feste Passung hat (Innenring auf Welle oder Aussenring in Gehäuse), niemals über die Wälzkörper.

Werkstoffe und Wärmebehandlung — Was ist der Unterschied zwischen Ferrit und Austenit im Stahl?
  • ✓ Ferrit ist krz und magnetisch, Austenit ist kfz und nicht magnetisch
  • Austenit kommt nur in Gusseisen vor
  • Ferrit ist härter als Austenit
  • Es gibt keinen Unterschied

Ferrit ist die kubisch-raumzentrierte (krz) Phase des Eisens, weich und magnetisch. Austenit ist die kubisch-flächenzentrierte (kfz) Phase, zäher und nicht magnetisch.

Häufige Fragen

Wie viele Jahre Erfahrung braucht es für das Polymechaniker/in EFZ ohne Lehre?

Mindestens 5 Jahre Berufserfahrung (Art. 32 BBV), davon mindestens 3 Jahre im Beruf Polymechaniker/in.

Muss ich die Berufsfachschule besuchen?

Nein. Du kannst dich selbst oder mit Kursen vorbereiten. Ohne Schule hast du keine Erfahrungsnote.

Wie wird meine Gesamtnote berechnet?

Ohne Erfahrungsnote: Teilprüfung 25 %, Praktische Arbeit 25 %, Berufskenntnisse 30 %, Allgemeinbildung 20 %. Bestanden ist das QV, wenn die Note «Teilprüfung» mindestens 4 beträgt und die Note «Praktische Arbeit» mindestens 4 beträgt und die Gesamtnote mindestens 4 beträgt.

Was kostet die Prüfung?

Die Kosten sind kantonal verschieden: Die Fachstelle deines Kantons gibt Auskunft.

Und die Validierung von Bildungsleistungen?

Das ist ein anderer Weg: Du belegst deine Kompetenzen in einem Dossier, das Fachleute beurteilen, ohne Abschlussprüfung. Er besteht nur in gewissen Berufen und Kantonen; die Fachstelle sagt dir, ob er für dich möglich ist.